Kühlverpackung Smartcooler für den Online-Versand von Lebensmitteln (Bildquelle: Ecocool GmbH)

Jahrzehntelang führte die Transportverpackung ein Schattendasein. Denn viele industrielle und gewerbliche Versender hatten vor allem den Kostenaspekt im Fokus. Die Verpackung sollte vor allem günstig sein, oder „am besten gar nichts kosten“: das sind Stimmen aus der Industrie, die manchmal heute noch zu hören sind. Doch die Zeiten ändern sich. Insbesondere beim Versand von temperaturempfindlichen Gütern ist das Bewusstsein für die Bedeutung der Verpackung für den sicheren und hygienischen Transport enorm gestiegen.

Online-Handel, Ökologie und Verpackungsgesetz als Treiber

Fachlicher Austausch zur Verpackung der Zukunft auf dem Pressetag von Ecocool (Bildquelle: Bruno Lukas)

Der Boom des Online-Handels für Lebensmittel, ein größeres ökologisches Bewusstsein und nicht zuletzt der Gesetzgeber sorgen dafür, dass hochwertige Verpackungen immer mehr gefragt sind. Vor allem das seit Anfang 2019 geltende neue Verpackungsgesetz ist ein wesentlicher Treiber für recyclingfähige Packmittel und nachhaltigere Materialien. In strenger regulierten Märkten sorgen EU-Richtlinien wie die „Good Distribution Practice“ (GDP) dafür, dass temperaturempfindliche Medikamente sicher ankommen. Auf dem Pressetag des Verpackungsherstellers Ecocool GmbH hatten wir Mitte August Gelegenheit, uns über Trends und technische Lösungen auszutauschen (siehe Foto). Das Bremerhavener Familienunternehmen hat sich auf Kühlverpackungen für den Transport von Lebensmitteln und Pharma spezialisiert.

Strenge Standards bei Versand von Medikamenten

In der Pharmalogistik setzt die EU-Leitlinie GDP die Standards. Seit ihrer Novelle im Jahr 2013 schreibt diese Guideline vor, dass temperatursensible Pharmazeutika gemäß Lagerbedingungen transportiert werden müssen. Das bedeutet, dass die Beförderung temperiert zu erfolgen hat. Ob dies aktiv über die Kühlung des Laderaums, oder passiv über eine isolierte Transportverpackung mit Kühlakkus erfolgt, das bleibt dem Transporteur selbst überlassen. Für palettierte Ware haben sich weltweit Thermohauben durchgesetzt. Sie schützen Medikamente, die im definierten „Ambient“-Temperatur-Korridor von 15 bis 25 Grad Celsius befördert werden müssen, vor Temperaturspitzen. Diese treten meist nicht in den kontrollierten Bereichen auf, also im Laderaum eines Kühl-Lkw, sondern insbesondere bei Umladevorgängen.

Thermohaube mit darunter liegenden Waterblankets zum Schutz palettierter Pharma-Fracht (Bildquelle: Ecocool GmbH)

Ein solches Risiko besteht etwa auf dem Vorfeld eines Flughafens, wenn die Palette vor der Verladung ins Flugzeug mehrere Stunden ungeschützt der Witterung ausgesetzt ist. Um die thermische Last der meist sehr leichten Pharmapaletten zu erhöhen und damit den Temperaturschutz, hat beispielsweise Ecocool eine Lösung mit Water Blankets entwickelt. Hierbei werden mit Wasser gefüllte Kühlelemente in Form einer „Decke“ über die mit der Pharma-Fracht bestückte Palette gelegt, dann erst wird die Thermohaube übergestülpt. Datenlogger-Auswertungen zeigen, dass die Water Blanket-Methode die Solltemperaturen deutlich länger stabil hält. Diese höhere Temperaturstabilität sorgt im Sinne der GDP für einen erhöhten Schutz der Pharmazeutika.

Hygieneaskpekt beim Versand von Lebensmitteln

Temperaturschutz ist das eine, Hygiene und eine nachhaltige Verpackung sind weitere zentrale Aspekte, die insbesondere beim Online-Versand von Lebensmitteln zum Tragen kommen. Denn immer mehr Handelsketten, Lebensmittel-Direktvermarkter und Versender von Kochboxen greifen auf die Distribution per Paketdienst zurück. Da die bekannten Paket-Dienstleister keine Kühlfahrzeuge für den Standard-Paketversand nutzen, muss die Temperierung über eine passive Kühllösung erfolgen, sprich eine leistungsfähige Kühlverpackung. Hier bieten Verpackungshersteller Lösungen für unterschiedliche Preisklassen und technische Anforderungen. In der Regel besteht die Kühlverpackung aus einer Isolierschicht, mit der die Versandkartonage ausgekleidet wird, in Kombination mit Kühlakkus, die beigelegt werden. Verschließbare Kühltaschen wie die innovative „Smartcooler“ von Ecocool aus Isoliervlies ermöglichen einen kombinierten Versand von temperatursensiblen und nicht-sensiblen Lebensmitteln im Standard-Paket.

Verpackungsgesetz forciert Recycling und nachhaltige Materialien

Herstellung von Kühlverpackungen bei Ecocool in Bremerhaven (Bildquelle: Bruno Lukas)

Im Food-Onlinemarketing geht es den Herstellern bzw. Versendern und auch immer mehr Verbrauchern darum, dass nachhaltige oder zumindest voll recyclingfähige Verpackungen eingesetzt werden. Ein Treiber ist das gewachsene ökologische Bewusstsein, ein noch wichtigerer Treiber ist allerdings das neue Verpackungsgesetz. Seit 1.1.2019 gültig, schreibt es vor, dass Inverkehrbringer von Verpackungen möglichst nachhaltige und/oder voll recyclingfähige Packstoffe einsetzen und bei den Behörden auch registrieren lassen. Eine neu eingerichtete „Zentrale Stelle Verpackungsregister“ überwacht den Markt und erlässt bei Verstößen auch Bußgelder. So soll die Verwendung ökologisch vorteilhaften Verpackungen forciert werden. Ein Beispiel ist der Einsatz von Recyclaten als Isoliermaterial, wie etwa beim Isoliervlies des Smartcooler von Ecocool, das zu 80 Prozent aus recyclten PET-Flaschen besteht.

Günstig und ökologisch – ein Zielkonflikt?

Hier stehen viele Marktteilnehmer auf Seiten der Hersteller und Versender vor dem Zielkonflikt, dass die Verpackung jahrzehntelang immer billiger hergestellt werden sollte und wurde, und jetzt nicht nur günstig, sondern auch nachhaltig sein soll. Aus meiner persönlichen Sicht ist dieser Konflikt nur dann zu lösen, wenn der Empfänger bereit ist, die Bedeutung der (Transport-)Verpackung für die Sicherheit und Hygiene des versendeten Produkts mehr wertzuschätzen. Hier sind alle relevanten Akteure der Food- und Pharma-Branche angehalten, den Endverbraucher bzw. Patienten dafür zu sensibilisieren, dass die Verpackung und die Logistik für die Produktsicherheit entscheidend sind. Denn wenn die Kühlverpackung oder der Transport temperaturempfindlicher Güter nicht den Sicherheitsanforderungen entsprechen, kann dies negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Hier sollten weder Hersteller noch Logistiker noch der Endverbraucher am falschen Ende sparen. Damit haben wir alle maßgeblichen Einfluss darauf, wie die Verpackung der Zukunft aussehen soll und wie nachhaltig diese sein wird.

 

 

Als Initiator des Logistikerblogs engagiert sich Bruno Lukas besonders im Thema nachhaltige City-Logistik. Für den gelernten Städteplaner mit einschlägiger Berufserfahrung in der Logistikbranche ist die Einführung umweltschonender Lieferketten ein Herzensanliegen. Er setzt sich für emissionsarme, leise Nutzfahrzeugtechnik ein. Aus seiner Sicht kann nachhaltige Logistik aber nur funktionieren, wenn „grüne“ Technik bezahlbar und in wirtschaftliche Prozesse mit fairen sozialen Standards eingebunden ist.