„10 Prozent mehr Aussteller, 5 Prozent mehr Besucher, eine Halle mehr“: Ganz stolz verkündet die „transport logistic“ per Presseinfo die sehr gute Bilanz ihrer diesjährigen Messe. Auch mein persönlicher Eindruck deckt sich mit diesem positiven Fazit der Messegesellschaft. Die Münchner Messe ist wieder einmal ihrem Anspruch als „weltweit größtem Logistik-Hub“ gerecht geworden. Autonome Fahrzeuge, neueste Telematik-Technologien, Blockchain und Künstliche Intelligenz – das alles gab es zu sehen und zu bewundern. Und es ist erstaunlich, welche Effizienz-Fortschritte die Logistik dank Digitalisierung Jahr für Jahr macht. Dennoch leidet die Branche an Fachkräftemangel. Diesem versucht die Imagekampagne „Logistikhelden“ der „Wirtschaftsmacher“ entgegenzuwirken.

Elektrisch und autonom: Präsentation eines VW Transporters auf der „transport logistic“ 2019 (Bildquelle: Bruno Lukas)

Mensch oder Maschine im Fokus?

Und dennoch: die diesjährige Messe hat mich auch nachdenklich gemacht. Denn erstmals wurde der eklatante Fachkräftemangel in der Logistik im großen Stil thematisiert. Und nicht jede „hurra“-Botschaft der Aussteller sorgt auch beim Publikum für ein Hurra. Beispiel: Wenn vom autonomen Lkw die Rede ist, argumentieren Befürworter von 30 bis 40 Prozent Kostenreduktion, insbesondere durch die Einsparung von Fahrpersonal. Jetzt könnte man sagen: „Prima, wir haben doch jetzt schon ohnehin zuwenig Lkw-Fahrer. Damit lösen wir das Problem, wenn in 10 bis 15 Jahren die Technik und die rechtlichen Rahmenbedingungen den Einsatz von autonomen Lkw im größerem Maßstab ermöglichen!“

Ursachen des Personalmangels auf den Grund gehen

Doch so einfach ist es nicht, fürchte ich. Denn die Frage ist: wo kommt der Fahrermangel her?

Scania-Zugmaschine auf der „transport logistic“ 2019 (Bildquelle: Bruno Lukas)

Fakt ist, dass durch die Demografie und den Wegfall der Bundeswehr(pflicht) als einem der größten Ausbilder für Lkw-Fahrer immer weniger Nachwuchskräfte zur Verfügung stehen. Fakt ist aber auch, dass der Lkw-Fahrerberuf – zumindest im Fernverkehr – angesichts zum Teil schwieriger Arbeitsbedingungen im Moment nicht gerade den besten Stand hat. Hinzu kommt, dass auch die Paketdienstleister mit Image- und Akzeptanzproblemen zu kämpfen haben. Nutzfahrzeuge sind in den Augen vieler Endverbraucher einfach nur schwer, langsam und stehen permanent im Weg – egal ob auf der Autobahn oder in der zweiten Reihe auf der „letzten Meile“ in der City. Und das färbt leider auf die Logistik-Branche als Ganzes ab. Dadurch haben auch Intralogistiker immer größere Schwierigkeiten, ihren Nachwuchskräfte zu finden und dauerhaft an sich zu binden. Und wenn die Branche diese Negativ-Spirale laufen lässt, fehlen womöglich irgendwann auch Techniker und IT-Fachleute, die die autonome Systeme überwachen sollen.

Wirtschaftsmacher“-Kampagne präsentiert Logistikhelden

Was hilft also? Für die Rahmenbedingungen ist vor allem die Politik zuständig, aber auch

Logistikhelden

Motiv aus der Image-Kampagne „Logistikhelden“ der Initiative „Wirtschaftsmacher“ (Bildquelle: https://die-Wirtschaftsmacher.de)

Unternehmen können viel tun. Im Alleingang oder noch besser gemeinsam. Zum Beispiel über die groß angelegte, bundesweite Image-Kampagne, wie sie die „Wirtschaftsmacher“ mit ihren „Logistikhelden“ auf der Messe vorgestellt haben. (www.die-wirtschaftsmacher.de). Die Initiative ist aus dem Arbeitskreis „Image der Logistik“ der Bundesvereinigung Logistik (BVL) hervorgegangen. Die Kampagne wird mittlerweile von zahlreichen Unternehmen, Fachmedien und Agenturen getragen. Sie informiert über Magazine, das Internet, aber auch über Plakataktionen in Städten und an Autobahnen über Logistik-Berufe. Sie soll Aufmerksamkeit schaffen, die Attraktivität der Branche erhöhen und – für mich ein ganz entscheidender Punkt – erst einmal überhaupt dafür sensibilisieren, was Logistik eigentlich überhaupt ist! Denn außerhalb der Branche denken viele Menschen einfach nur „Lkw fährt von A nach B“, wenn das Stichwort Logistik fällt. Das ist meine persönliche Erfahrung, die ich vielfach gemacht habe. Die „Helden“ aus der Kampagne zeigen in ihren „Heldengeschichten“ hingegen, dass Logistik sehr viel mehr als Lkw-Fahren ist und welche zentrale Bedeutung die Branche für die Wirtschaft hat.

Motiv aus der Image-Kampagne „Logistikhelden“ der Initiative „Wirtschaftsmacher“ (Bildquelle: https://die-Wirtschaftsmacher.de)

600 Touren jährlich: das sind Logistikhelden!

Testimonials sind etwa Gabelstapler-Fahrerin Jana Giuliano, Produktmanagerin Luisa Kranhold oder der Disponent Thomas Hesse, der 600 Touren im Jahr kommissioniert und 15.000 Palettenladungen jährlich auf den Weg bringt. Und mit solchen plastischen Beispielen kann die Branche punkten. Denn damit wird die Kraft und Einflussgröße der Logistik auf die täglichen Wirtschaftsprozesse deutlich. Und wer weiß: vielleicht schafft es die Logistik auch in die Lehrpläne der Schulen im Fach „Wirtschaft“. Einfach um dem Endverbraucher klar zu machen, welches Räderwerk er in Gang bringt, wenn er im Online-Shop auf „kaufen“ drückt. Wünschenswert wäre es. Wir tun derweil, was wir am besten können: wir schreiben unsere Stories von den kleinen und großen Helden der Logistik.

Als Initiator des Logistikerblogs engagiert sich Bruno Lukas besonders im Thema nachhaltige City-Logistik. Für den gelernten Städteplaner mit einschlägiger Berufserfahrung in der Logistikbranche ist die Einführung umweltschonender Lieferketten ein Herzensanliegen. Er setzt sich für emissionsarme, leise Nutzfahrzeugtechnik ein. Aus seiner Sicht kann nachhaltige Logistik aber nur funktionieren, wenn „grüne“ Technik bezahlbar und in wirtschaftliche Prozesse mit fairen sozialen Standards eingebunden ist.