Das MotionLab Berlin: Zentrum für Nutzfahrzeug-Startups und Austragungsort des „Future of Mobility Summit“ (Bildquelle: Bruno Lukas)

Berlin und Startups: das ist einfach eine Erfolgsgeschichte! Wer dabei nur an Online-Plattformen für’s Shopping denkt, sollte besser noch einmal genauer hinschauen. Denn es gibt immer mehr junge und innovative Gründer in der Hauptstadt, die sich realen Produkten widmen, also Technik und Hardware zum Anfassen und Erleben. Dass es dabei nicht nur um Spielerei für die Freizeit geht, beweisen die rund 30 Startups im Motionlab Berlin, die in den Segmenten Nutzfahrzeug-Technik und City-Logistik unterwegs sind. Hier werden Fahrzeugkonzepte entwickelt, Prototypen gebaut und getestet. Und die Startups denken auch über das Fahrzeug hinaus: Logistik-Prozesse und Pay-Konzepte für die smarte und umweltschonende Belieferung von Innenstädten sind Teil der Geschäftsmodelle. Eine kreative Keimzelle also mitten in der Hauptstadt, wo täglich über den Verkehr der Zukunft nachgedacht wird. Was liegt näher, als hier den „Future of Mobility Summit“ auszurichten? Der Fachkongress ging am gestrigen Donnerstag, 5.9., bereits zum zweiten Mal über die Bühne (www.futureofmobilitysummit.com) Wir waren mit dem Team des Logistiker-Blog live dabei.

Podiumsdiskussion mit Initiator Martin Fröhlich auf dem „Future of Mobility Summit“ (Bildquelle: Bruno Lukas)

Initiator Martin Fröhlich hatte ein gutes Händchen bei der Auswahl und Zusammensetzung seiner „Akteure“,wie er die Referenten und Aussteller liebevoll nannte. Der Startup-Förderer verstand es, die jungen Gründer des Motion Lab mit Venture Capital Gebern und Corporate-Vertretern der DB Gruppe, Airbus, DHL, Fujitsu, BMW und weiteren Konzernen zusammenzubringen. Rund 200 kluge Köpfe aus ganz Europa und den USA diskutierten in verschiedenen Formaten den ganzen Tag lang über zukunftsfähige Verkehrskonzepte.

Hyperloop und Flugtaxis als visionäre Highlights

Ein Highlight war die Präsentation von Hyperloop, einer Organisation, die den Personen- und Güterverkehr revolutionieren will: unterirdische Vakuum-Röhren und Tunnelsysteme sollen die Verkehrsströme verlagern, erheblich beschleunigen und die Infrastruktur deutlich entlasten. Ein weiteres Highlight war die Vorstellung von Flugtaxi-Konzepten mit elektrisch betriebenen Drohnen und Hubschraubern. Auch wenn diese visionären Konzepte oftmals erst in der Design-, Test- und Pilotphase ist, finde ich es wichtig, solche Möglichkeiten zu thematisieren. Genau hierfür warb ein Vertreter dieser neuen Fluggeräte: es sei wichtig, Startups ausprobieren zu lassen, um kreative Prozesse überhaupt zu ermöglichen und nicht durch überzogene „Return-on-invest“-Erwartungen im Keim zu ersticken. Dabei dürfe auch ruhig mal etwas kaputt gehen – nach dem Prinzip „trial and error“, das uns vor allem US-amerikanische Startups vorleben.

Get togeher und Netzwerken (Bildquelle: Bruno Lukas)

Startup-Pitches und Workshops am Nachmittag

Nach den Vorträgen ging es am Nachmittag in die Startup-Pitches. Rund 30 junge Unternehmen hatten je 90 Sekunden Gelegenheit, für sich, ihre Ideen und um Fundings zu werben. Hier ging es oftmals um wesentlich „bodenständigere“ und dennoch innovative Produkte, wie Elektro-Lastenräder oder Batterie-Wechselsysteme für die City-E-Mobility. In den anschließenden Workshops setzten die 10 Sponsoren je ein Thema zur Diskussion in Kleingruppen.

Next Generation Logistics

E-Lastenrad von ONO Motion (Bildquelle: Bruno Lukas)

Ich habe mich u.a. an der Table Session „Next Generation Logistics“ von Fabian Stöffler (www.Menlo79.com) und Stefan Pargfrieder (DB Schenker) beteiligt. Mit einer Gruppe von Logistik-Fachleuten arbeiteten wir innerhalb von 45 Minuten die wichtigsten Zukunftstrends heraus: 1. digitale Disposition und KI-unterstützte Ressoucen- und Verkehrsträger-Planung, 2. Robot Process Automation im Lager und autonomes Fahren 3. smarte und nachhaltige City-Logistik. Dass letztere dringend benötigt wird, ist in Metropolen wie Berlin, Hamburg und München täglich zu beobachten. Hier nehmen sich Startups wie ONO Motion (www.onomotion.com) aus dem MotionLab Berlin diesem Thema an und bieten mittlerweile serienreife Fahrzeugtechnik an – als nachhaltige, platzsparende Alternative zu den herkömmlichen, großvolumigen Paket-Lieferfahrzeugen. Ideen sind also da und die Technik ist vorhanden. Jetzt braucht es einfach Mut, den Willen und die Überzeugungskraft, um die vielen klugen Konzepte in der Politik und Gesellschaft dauerhaft zu verankern. Let’s do it – stay in motion!

Als Initiator des Logistikerblogs engagiert sich Bruno Lukas besonders im Thema nachhaltige City-Logistik. Für den gelernten Städteplaner mit einschlägiger Berufserfahrung in der Logistikbranche ist die Einführung umweltschonender Lieferketten ein Herzensanliegen. Er setzt sich für emissionsarme, leise Nutzfahrzeugtechnik ein. Aus seiner Sicht kann nachhaltige Logistik aber nur funktionieren, wenn „grüne“ Technik bezahlbar und in wirtschaftliche Prozesse mit fairen sozialen Standards eingebunden ist.